Eine Frage der Perspektive

Der Einsatz an Schulen kann vielfältig sein. Nach einer Realschule, einer Erziehungsschule (Unter- und Mittelstufe/Grund- und Hauptschule) und einer kurzen Station in einer Förderschule, bin ich gerade in der Weilbacher Grundschule tätig. Überall gibt es neue, andere Ansätze, mit Probleme umzugehen. Man lernt nie aus.

 

Das wurde mir wieder einmal bewusst, als wir am vergangenen Freitag eine „Wanderung“ in die Weilbacher Weinberge unternahmen. Im Fach HSU wird der 3. Klasse („die Sperber“) gerade der Weinstock näher gebracht. Da liegt es nahe, einmal den Weilbacher Winzer Markus Erbacher zu besuchen. Also machten sich 20 Schüler und zwei Erwachsene auf den Weg. Ein kleines Abenteuer für die Kinder und ein wenig Stresslevel für die Erwachsenen („Auf dem Gehweg bleiben!“).

Markus Erbacher erklärte den Kindern den Jahresablauf eines Winzers. Was bei den Pflanzen zu beachten sei und wie diese sich entwickeln. Anschließend wurde süßer Traubensaft für die Kinder ausgeschenkt und die Pausenbrote ausgepackt.

Durch diese Wanderung kam ich an eine Ecke, die ich so noch nie besucht hatte. Der Blick auf Weilbach – ansonsten meist geprägt von Fotos vom Gotthard herab war interessant. Ein schöner Perspektivwechsel auf unseren Ort, der manche Idee oder Frage mit sich bringt. Man kann solche Gelegenheiten nur dankbar aufnehmen und im Hinterkopf behalten. Eingefahrene Wege überdenken, darüber sprechen und gegebenfalls eine neue Perspektive einnehmen.

 

Die drei Maskottchen der 3. Klasse im Weinberg. Benni, Euli und der Geist.

Kreistagswahlen 2020: Listenplatz 6 für Robin Haseler

Am vergangenen Samstag fand in Sulzbach am Main die Aufstellungsversammlung für die Kreistagswahlen 2020 statt. Da an so einer Veranstaltung natürlich aus allen Ortsvereinen Delegierte anwesend sind, dazu Kandidaten und Interessierte, wirkt das Ganze meist wie ein großes Familientreffen.

Ähnlich wie bei Parteitagen müssen aber gewissen Formalien eingehalten werden. Da es in diesem Fall um die Aufstellung einer Wahlliste ging, waren diese doch umfangreicher. Verlesung des Kennwortes zur Wahl, Vorstellung aller KandidatInnen und Frage, ob noch jemand auf dem vorgeschlagenen Platz kandidieren möchte. Bei 60 KandidatInnen kann das natürlich eine Weile dauern. Das ist trotzdem nötig. Dankenswerter Weise hat die Kreisvorsitzende Helga Raab-Wasse gründliche Vorgespräche geführt, sodaß alle mit ihrem Platz zufrieden waren und die Sache recht schnell über die Bühne ging.

Ich wurde auf den guten Listenplatz 6 gesetzt. Mich freut die Platzierung weit oben auf der Liste natürlich sehr. Zumal der Südlandkreis im Kreistag ein paar Stimmen mehr durchaus gebrauchen kann. Derzeit hat Weilbach auch keinen Vertreter im Kreistag. Das gilt es zu ändern.

Da man bei der Kreistagwahl Stimmen „häufeln“ kann, gilt also am 15. März 2020 bei der Kreistagswahl: 3 Stimmen für Robin Haseler!

99 Jahre Grundschule

Im Jahr 1920 führte die Weimarer Republik die allgemeine verpflichtende Grundschule ein. Unsere Grundschulen gibt es also gerade Mal rund 100 Jahre. Zuvor gab es in Preußen eine Schulpflicht. Doch das hies für die reichen Schichten Hauslehrer und für die Unterschicht, wenn überhaupt überfüllte Volksschulen.
Die Sozialdemokraten der Weimarer Republik durchbrachen dies vor hundert Jahren mit der Gründung der Republik 1919. Alle mussten in die gleiche Schule gehen. So ist das noch heute. Ein Gewinn für die Gesellschaft.
Dort treffen Menschen aus allen Bereichen, Schichten und Einkommensklassen aufeinander. Das erzeugt nicht selten Reibung, ist aber gesund für unsere Gemeinschaft. Hier hat niemand einfach so die Chance sich abzusetzen. Man lernt miteinander klarzukommen.
 
Wie grundlegend solche Erfahrungen sein können, erlebte ich neulich selbst. Eine Schülerin wollte ihren Platz nicht so recht aufräumen und meinte etwas hochnäßig:
 
„Also zu Hause haben wir eine Putzfrau.“
(‚Putzfrau‘ betonte sie leicht geringschätzig)
 
Das nebenstehende Kind kommentierte kurz und knapp:
 
„Meine Mama IST Putzfrau“.
 
Der Müll wurde aufgeräumt und die Beiden gingen gemeinsam in die Pause.
 
Grundschule ist eben ein Abbild der Gesellschaft und nach hundert Jahren ist es wohl Zeit für eine Generalüberholung. In Schweden lernen die Kinder bis zur 8. oder 9. Klasse. In Bayern beginnt der Übertrittskrieg in der 4. Klasse und es wird viel zu stark ausgesiebt. Länger gemeinsam Lernen wäre wichtig.
Für die kommenden Herausforderungen bräuchte es eine mindestens 6-jährige Grundschule, die sich als Leuchturm von Bildung und Erziehung (!) versteht. Statt Faktenlernen verschiebt sich der Fokus immer mehr auf das Erlernen von Sozialem Miteinander und dem Erlernen von Grundtechniken der Wissensaneignung. Neben Umgangsformen, Respekt und Toleranz braucht man eben auch immer mehr die Fähigkeit Wissen zu finden und einzuordnen. Einfach nur ein Tablet im Unterricht hilft da wenig.
 
Es wird Zeit für eine neue Grundschule. Sie soll schließlich auch noch die 200-Jahr-Feier ihrer Einführung erleben.
 

Der große Tag

Sie bekommt kein Auge zu und hüpft in ihrem Bett auf und ab. Die ebenfalls sehr lebhafte große Schwester hilft hierbei natürlich kein bisschen. Morgen früh geht es für meine kleine („ICH BIN NICHT MEHR KLEIN!“) Tochter zur Einschulung.

Bild von ariesa66 auf Pixabay

Der Ranzen ist gepackt, die Schultüte gefüllt und die Erwartungen sind unermesslich. Endlich richtig lesen und schreiben lernen, rechnen können, wie die große Schwester und überhaupt: Wenn man groß ist, dann geht man schließlich in die Schule.

Zugegeben. Ich bin auch aufgeregt, obwohl es dafür keinen Grund gibt. Ich kenne die Klassenlehrerin, die Schule, arbeite derzeit sogar teilweise an dieser Schule. Aber es ist unbestritten ein großer Tag für die ganze Familie. Nummer 2 geht nun auch in die Schule. Der Abschied (siehe vorherigen Blogbeitrag) vom familären Kindergarten Weckbach war ein Einschnitt.

Bei aller Begeisterung und auch Erwartungen, die man (wie ich an mir selbst merke) so mit sich bringt, muss ich mich selbst zügeln. Die Kinder werden von ihrer eigenen Begeisterung getragen, sie bekommen Hilfe und am Besten lässt man sie mal machen. Auch wenn es dann ein paar Fehlschläge und vielleicht auch mal Ärger gibt. Alle Kinder sollten die Chance haben, ohne Ängste und Zweifel ihr Können unter Beweis zu stellen. Statt Erwartungsdruck von zu Hause braucht es Unterstützung und Zuspruch. Wenn man die Kinder mit einem gerüttelten Maß an Gelassenheit begleitet,  dann kann man unseren Zwergen beim Über-sich-hinauswachsen zusehen.

Wir waren schließlich alle nur Zwerge auf den Schultern von Riesen.

Schönen ersten Schultag Euch Eulen und Falken*

 

 

*Vogelnamen dienen als Klassenbezeichnungen für die ersten Klassen an der GS Weilbach.

 

Ein Abschied

Kindergarten Königreich in Weckbach

Am vergangenen Freitag war es dann soweit. Meine jüngere Tochter Pauline wurde aus dem Kindergarten Weckbach „geworfen“. Eine kleine Tradition des Kindergartens, der die Kinder zwiespältig entgegen fiebern. Einerseits wird damit symbolisch das Ende ihrer Kindergartenzeit begangen, andererseits wartet etwas völlig Neues auf sie.

Das hat man auch meiner Tochter angemerkt, die nun plötzlich darüber sinnierte, wie schön doch der Kindergarten sei und jeden Tag der letzten zwei Wochen auskostete.

Am Donnerstag fand dann die Übernachtung im Kindergarten statt. Nachtwanderung inklusive. Dieses Jahr waren es 10 Kinder, die dort schliefen, was für unseren kleineren Weckbacher Kindergarten natürlich eine Menge ist. Da auch in Weilbach viele Kinder eingeschult werden, wird sich auch die Grundschule um eine Klasse vergrößern.

Am nächsten Morgen fand dann das traditionelle Frühstück mit den Eltern der Vorschulkinder statt. Die Eltern sammeln jedes Jahr Geld und schenken zum Abschied etwas dem Kindergarten. Bei meiner großen Tochter Helene pflanzten wir einen Birnenbaum, der bereits trägt und dieses Mal gab es einen modernen Bollerwagen, der für die Waldtage genutzt werde kann.

Birnbaumpfanzung 2017

Ein wenig Wehmut herrscht dann doch. Bei den Erzieherinnen fließen Tränen und auch so manches Kindergartenkind weiß nicht so Recht wohin mit sich. Mit kräftigen Schwüngen wir dann jedes Kind 1-2-3 und „Raus mit dir“ aus der Tür „geworfen“ und Schluß ist es mit dem Kindergarten.

Am 10. September findet dann die Einschulungsfeier statt.

Auf meinen scherzhaften Vorschlag hin, wurde dann noch die scheidende Elterbeiratsvorsitzende Angelina Schellenberger mit dem gestifteten Bollerwagen aus dem Kindergarten ‚geschoben/geworfen‘.

Transparenz in der Kommunalpolitik

Neulich las ich bei Stadtwatch über einen bloggenden Gemeinderat aus Wertheim. Das ist eine tolle Sache. Ich hatte mir das nach meiner Wahl in den Rat vorgenommen, musste dieses Projekt die letzten Jahre aber ruhen lassen. Bis vergangenen Weihnachten hatte ich meinen Blog abgeschaltet (mein erster Blog startete ca. 2008). Erst zu Beginn des Jahres haben ich wieder damit begonnen. Doch wie man sieht, sind es nicht wöchentliche  Berichte geworden. Viel zu selten habe ich die Muse längere Berichte zu schreiben.
 

Bild von bluebudgie auf Pixabay

 
Dennoch. Wie man Transparenz gegenüber den Bürgern herstellt, treibt mich schon länger um. Bisweilen hatte ich das bei Facebook getan. Fotos von Bauprojekten, kurze Berichte aus der Gemeinderatssitzung, Fragen von Facebook-Freunden beantworten (oft auch PNs). Aber kontinuierlich über jede Sitzung habe ich nicht berichtet.
 
Betrachtet man die Berichte in unserem gemeinsamen Amtsblatt zeigen sich einige Unterschiede zwischen den Ortschaften. So sind die Berichte aus Amorbach sehr ausführlich. Weilbach beschränkt sich auf das Nötigste. Es sei denn, der Bürgermeister hat ein Statement zu verkünden. Fragen und Wortmeldungen von Gemeinderäten werden selten gedruckt und wenn, dann ohne Namensnennung. Ich betrachte solche Fragen eigentlich als das Salz in der Suppe einer Gemeinderatssitzung. Und dann bitte auch mit Namensnennung, damit der Bürger vielleicht merkt, wer öfter sachliche Fragen stellt. Man ist schließlich kein Abnickergremium, sondern verfolgt auch eigene Projekte, leitet Wünsche weiter oder muss Dinge nachhaken.
 
Seltsam blutleer wirken manche Sitzungen daher in der Berichterstattung im Amtsblatt. Das Amtsblatt ist nicht der Raum, um Debatten darzustellen, aber in Zukunft muss hier mehr zu lesen sein. Ich denke man sollte sich in Zukunft an den Nachbarorten orientieren. Auch die Presseberichterstattung darf ruhig öfter die Wortmeldungen aufgreifen.
 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

 
Zusätzlich halte ich es für sinnvoll, wenn einzelne Gemeinderäte und auch der Bürgermeister in den Sozialen Medien unterwegs sind und auch hier zeigen, was sie tun. Das ist natürlich ein weiterer zusätzlicher Zeitaufwand, den nicht jeder leisten kann oder will.
 
Das Feedback, welches ich hier erhalte, war aber bislang weitesgehend positiv. Erst so wird für viele deutlich, was so ein „normaler“ Gemeinderat für einen Terminkalender abarbeitet, um die eigene Gemeinde weiter zu bringen.
 
Dies und eine Portion Transparenz und Information für Bürger, die vielleicht nicht jeden Tag Zeitung und Amtsblatt studieren, kommen hinzu. Man muss die Leute eben dort treffen, wo sie sind. Heute gibt es viel weniger Stammtische, aber jeder checkt seinen Instagramfeed. Schauen wir mal, was hier in der kommenden Periode möglich ist.

Ferienspiele

Jedes Jahr beteiligt sich die SPD an den Ferienspielen der Marktgemeine Weilbach. Mir fällt dabei seit einigen Jahren die ehrenvolle Aufgabe zu, die obligatorische Schatzsuche zu leiten. Jeder der schon einmal einen mittelschweren Kindergeburtstag überstanden hat, kann nachvollziehen, wie viel Vorbereitung es benötigt, damit eine Hand voll Kinder einige Stunden beschäftigt sind.

Auch in diesem Jahr kombinierte ich Hinweise, Schatzkartenteile und eine abenteuerliche Geschichte zur Schatzsuche am Reuenthaler „Silber“-See. Den ersten Hinweis fanden die Kinder im See als Flaschenpost, dann ging es über Stock und Stein bis zur prall gefüllten Schatztruhe.

Natürlich waren auch die anderen Aktivitäten, wie Basteln, Bogenschießen, Stockbrot rösten und mit dem Schlauchboot über den See paddeln wieder im Angebot.

Der Nachmittag ist für mich immer wieder ein großer Spaß und natürlich freuen wir uns immer, wenn die Ferienkinder zufrieden von ihren Eltern wieder eingesammelt werden.

(Weiterführender Link: Bericht im Echo)

Warum der Regionalmarkt so wichtig ist

Titelbild Prima Sonntag

Titel PrimaSonntag von vor zwei Wochen

In der Tat sinken die Bevölkerungszahlen auf dem Land. Der kleine Geburtenboom derzeit (Platzmangel/Aufnahmesperre in den Kindergärten) wird die Geburtendelle der vergangenen Jahre nicht ausgleichen. Weniger Menschen bedeutet weniger Engagement in den Vereinen, aber auch weniger Kunden. Digitalisierung und Strukturwandel beeinflussen uns zudem. Kleine Läden schließen, alle bestellen online. Gegenbewegungen gibt es, aber die Veränderungen sind unübersehbar. Und sind wir ehrlich, wir sind alle Teil davon.

Aber eine Grundversorgung im Ort ist wichtig. Das hält das Dorfleben am Laufen. Die Gemeinde bleibt attraktiv für Zuzüge, die man so dringend braucht und die älteren Menschen sind nicht plötzlich abgeschnitten von der gesellschaftlichen Teilhabe. Ohne Hilfe das Nötigste einkaufen gehen oder auf einen Plausch zum Kaffee gehen können. Das ist notwendig!

Daher hat die Gemeinde Weilbach den Regionalmarkt eröffnet. Wer dort einkaufen geht, hält ein Schwätzchen, trifft Bekannte, geht anschließend in die anderen Läden der Ortschaft. In unserem Ortskern ist was los. Ein Allgemeinarzt und Zahnarzt tun ihr übriges. Das müssen wir bewahren. Daher ist der Regionalmarkt mehr als nur ein kleiner Laden, der die Gemeinde Geld kostet. In gewisser Weise muss er das Leuchtfeuer für die innerörtliche Entwicklung sein. Damit zeigen wir: Wir wollen keinen ausgestorbenen Ortskern.

(Auch) Deshalb werbe ich auch regelmäßig auf Facebook und Instagram für Produkte des Regionalmarktes und freue mich über jede Sortimenterweiterung.

 

Hopfentroll Flasche

Hopfentroll aus Weilbach

In Zukunft werden wir uns noch mehr Gedanken darüber machen müssen, wie wir unsere Gemeinde attraktiv machen. Neben dem Dorfladen wird die Gesundheitsversorgung uns beschäftigten. Ein Hausarzt sollte im Ort bleiben. Wenn wir attraktiv für junge Familien sein wollen, müssen wir etwas bieten. Darum wird es die nächsten Jahren gehen.

Danke CSU/FW/AfD: Lebensmittelverschwendlung geht weiter

Wie der BR meldet, stimmte die Regierung (und die AfD) gegen einen SPD Antrag, der zum Ziel hatte, die Lebensmittelverschwendung zu verringern. Wir regen uns alle schon länger auf. Tonnenweise werfen Supermärkte Lebensmittel weg, die eigentlich noch okay sind. Mit einem Gesetz (wie etwa in Frankreich oder Tschechien) könnte man dies verringern und große Anbieter zwingen, die Lebensmittel z.B. an die Tafeln abzugeben.

Noch lieber wäre es mir eigentlich, wenn es keine Tafeln gäbe und wir unser Konsumverhalten so verändern, dass wir gar nicht in die Verlegenheit kommen, solche Mengen wegzuwerfen, aber das ist wohl ein anderes Thema.

Jedenfalls stimmten CSU, Freie Wähler und AfD gegen den Antrag der SPD. Danke dafür. Auch ein zweiter SPD-Antrag zur finanziellen Unterstützung der Tafeln wurde abgelehnt.

Über ein solches Abstimmungsverhalten ärgere ich mich. Punkt.

Schulbegleitung?

Was ist eigentlich eine „Schulbegleitung“? Was arbeitest du nochmal? Bevor ich dieses Arbeitsfeld betrat, war mir der Begriff (auch) völlig unbekannt. Quasi als Quereinsteiger kam ich von der Leitung der Offenen Ganztagsschule zur Schulbegleitung (Dazu an anderer Stelle mal mehr).

Jetzt komme ich des öfteren selbst in die Verlegenheit erklären zu müssen, was ich da eigentlich treibe – als Schulbegleiter.

Schulbegleiter (auch Integrationshelfer oder Schulassistenten) unterstützen Kinder mit Körperbehinderung, geistiger Behinderung oder psychischer bzw. seelischer Störung im schulischen Alltag. Schulbegleitung ist eine langfristig eingesetzte Maßnahme der Eingliederungshilfe bzw. der Kinder- und Jugendhilfe (Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche)

Quelle: Wikipedia

So. Das sagt jetzt auf die Schnelle Wikipedia dazu. Alles klar, oder? Nein?

 

Wie muss man sich das eigentlich vorstellen?

Und hier wird es kompliziert. Schulbegleitung kann heißen, ich sorge dafür, dass ein Kind in einer Regelschule besser zurecht kommt und am Unterricht teilnehmen kann. Das kann aber auch in ganz andere Richtungen gehen, wenn ich mit dem Schüler teilweise ein eigenes Programm durchführe, damit er Leistungen zeigen kann, den Alltag bewältigt oder überhaupt mit anderen Kindern auskommen kann.

So habe ich mich bei einem meiner Schüler darum gekümmert, dass er im Unterricht konzentriert war, Lernpläne erstellt oder das Sozialverhalten reguliert. Das klingt jetzt banal, aber mit einem Schüler habe ich erstmal „Schnäuzen“ geübt, damit er nicht immer im Unterricht den „Rotz“ hochzog und die ganze Klasse angeekelt von diesem (sehr lauten) Sound aufschrie. Das führte dann zu einer höheren Akzeptanz und besserem Klima in der Klasse.

Bei anderen Schülern muss man auf die emotionale Situation eingehen, Aggressionen abbauen, (ein bisschen) Familienersatz sein, Aufmerksamkeit schenken, beruhigen, wenn ein Schüler ausflippt. Ja, wie in so seltsamen Yoga-Filmen machen wir dann auch mal Atemübungen oder bearbeiten einen Boxsack. Jeder Schüler ist eben unterschiedlich und man muss den passenden Weg suchen, damit er mit sich klar kommt. Dazu kann dann auch mal extreme Strenge gehören. Keine Lücke im Regelwerk lassen, um eine Gewöhnung an gesellschaftliche Standards zu erreichen. Man muss lernen, den richtigen Ton zu treffen, die Emotionen der Kinder zu lesen und, ich sage immer, einen großen „Werkzeugkasten“ der Pädagogik dabei haben.

 

Bild von SauLustig auf Pixabay

Je nach Schule/Schüler kann das also heißen, der Schulbegleiter sitzt eine Schulstunde neben dem Schüler und sagt mal „psst“, „los arbeite jetzt/konzentriere dich“ und liest sonst ein Buch. Wenn das so ist, dann reicht die körperliche Präsenz schon aus und man hat vermutlich ziemlich lange mit dem Schüler gearbeitet.

Oder es fliegen Stühle und Tische durchs Klassenzimmer, es kommt zu verbalen und körperlichen Konflikten, bis hin, dass ein Schüler mit einem Obstmesser ankommt und versucht einen Mitschüler abzustechen (alles keine Erfindungen, auch wenn es nicht meine Schüler waren). Manchmal passiert das alles an einem Tag.

Natürlich ist es in der Regel weniger krass. Es geht um Verweigerung, Beschimpfungen, Ausraster – und man muss betonen: Die Kinder können dafür nichts. Das hat, wie oben in der Definition beschrieben, handfeste Gründe.

Je nach Schule und Schüler arbeitet man also in einem sehr weiten Feld mit vielen schiedenen pädagogischen Ansätzen, um die Kids auf den rechten Weg zu führen.

Ab kommenden Montag arbeite ich übrigens frisch versetzt an der Grundschule in Weilbach. Das war eine sehr kurzfristige Entscheidung meines Arbeitgebers, um einem Kind einen guten Einstieg zu gewährleisten. Das ist wieder eine ganz neue Herausforderung einen Schüler aus einer Förderklasse bei der Rückkehr in die Regelschule zu begleiten und ihm die Umstellung von extrem kleinen Klassen auf Normalklassenstärke zu erleichtern. Hier geht es also mehr darum beim Lernen zu unterstützen, der Lehrerin eine pädagogische Assistenz zur Seite zur stellen, die Konzentration des Schülers zu stärken und einen gewissen Halt zu geben. Ich bin gespannt.