Im Gespräch mit Kerstin Westphal

Am vergangenen Samstag war ich in Miltenberg auf der Mildenburg unterwegs. Unsere Europaabgeordnete Kerstin Westphal besuchte die Mildenburg, um sich über die Verwendung von EU-Fördergeldern zu informieren und mit dem Miltenberger Bürgermeister Demel zu sprechen.
Zusammen mit Genossinnen und Genossen begleiteten wir den Rundgang.

Am Rande habe ich mit Kerstin über unser Gotthard-Projekt gesprochen. Sie hat sich schon vor Weihnachten über unser Ansinnen informiert. Nach den Ausgrabungen der vergangenen Jahre sollen nun die Funde präsentiert und die ausgegrabenen Mauern gesichert werden. Am Ende soll ein Archäopark entstehen, der den Besuchern der Ruine Einblicke in das Leben im Mittelalter geben soll.

Inzwischen haben wir den Antrag für Leader-Mittel eingereicht und ich hoffe mal, wir erhalten ausreichend Mittel für die Gestaltung des Geländes. Kerstin unterstützt unser Ansinnen natürlich. Das nächste Mal laden wir sie dann zum Gotthard ein. Da ist der Ausblick schließlich noch viel schöner als von der Mildenburg aus.

In Sorge um Vereine

Die aktuellen PrimaSonntag titelt „Unsere Vereine sterben aus!“ und macht damit auf ein zentrales Problem in unserer Region aufmerksam. Es war ein kleines Déjà-vu für mich. Seit vielen Jahren bin ich nicht nur Vorsitzender eines kleinen Ortsvereines, sondern auch aktiver Teilnehmer an den Vereinsringaktivitäten. Dort wird seit Jahren von einer beunruhigenden Entwicklung berichtet. Zwar nehmen viele Bürger weiterhin das Angebot der Vereine wahr, aber die Bereitschaft über den Vereinsbeitrag hinaus etwas zu tun, nimmt spürbar ab. Ein Vereinsvorstand nannte dies vor Kurzem „Fitnessstudio Mentalität“. Der Verein wird zum Dienstleister. Man zahlt einen Beitrag, fordert dafür etwas ein und wenn man keinen Bock hat, lässt man es. Man bezahlt schließlich Geld.

Dumm nur: So funktionieren Vereine schlicht nicht. Sie leben vom Ehrenamt, von gemeinsamen Aktivitäten. Jeder Verein hat eine eigene Identität, die sehr unterschiedlich ausfallen kann. Immer wieder bin ich fasziniert, wie facettenreich allein in Weilbach die Vereine ausgestaltet sind.

Die Beiträge finanzieren selten alle Ausgaben, die so einem Verein entstehen. Aber für die wichtigen Veranstaltungen, die auch Geld in die Vereinkasse spülen, finden sich immer seltener Helfer. Mal einen Kuchen backen, zwei Stunden Ausschank, geschweigedenn einen Dauerjob wie Platzwart zu übernehmen, scheint immer seltener möglich.

Gefährlich wird es, wenn eingespielte Vorstandsteams aufhören und nichts nachkommt. Die Sonntagszeitung berichtet von dünnen Personaldecken und das spürt man überall. In vielen Weilbacher Vereinen stellen sich diese Fragen gerade. Hier kündigt sich ein massiver Generationenwechsel in etlichen Vereinen an. Das wird uns noch beschäftigen.

Die Entscheidung sich an einen Verein fest zu binden, also Verantwortung zu übernehmen, nimmt jedoch ab. Ob das an die sich veränderten Arbeitswelten liegt? Haben jüngere Menschen mit Familie heute schlicht keine Zeit mehr? Oder zieht man sich lieber in die eigenen vier Wände zurück?

Das lässt mich nachdenklich zurück. Wie kann man Vereine unterstützen, um ihre Existenz zu sichern? Wie motiviert man die Bürger mit anzupacken? Es geht am Ende schließlich nicht „nur“ um ein paar Vereine. Jede Gemeinde lebt insbesondere durch das Engagement der Vereine. Eine Gemeinschaft funktioniert nicht mehr, Zugehörigkeiten lösen sich auf, wenn die Vereine sterben. Ein Verein ist eben kein Netflix-abo, dass man jeden Monat kündigen kann. Da steckt mehr drin und das sollten wir bewahren.